Fachtagung“ QUO VADIS TECHNIKERAUSBILDUNG am 24.09.2012

Quo Vadis Technikerausbildung

Die Arbeitsgemeinschaft der Technikerverbände (ARGE) hat ihre diesjährige Tagung in den John Deere Werken Mannheim abgehalten.

Der „Staatlich geprüfte Techniker“ besitzt in Deutschland einen guten Ruf. Das ist einerseits der professionellen Fachausbildung zu verdanken, andererseits aber auch denjenigen Unternehmen, die die Qualifikation der Staatlich geprüfte Techniker für viele anspruchsvolle Tätigkeiten nutzen und schätzen gelernt haben. Auch bei John Deere haben sich viele Facharbeiter durch ein Weiterbildungsstudium zum „Staatlich geprüfte Techniker“, Karrierechancen erarbeitet, die bis ins Topmanagement reichen.

Nur in der Bildungspolitik der Regierung scheint dem Berufsbild die entsprechende Anerkennung zu fehlen. Das wurde auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Technikerverbände, die kürzlich in den John Deere Werken Mannheim stattfand, deutlich. „Es besteht ein großer Trend zur akademischen Ausbildung, obwohl die deutsche Wirtschaft mit der dualen Ausbildung sehr gut gefahren ist und andere Länder in Europa uns in diesem Punkt beneiden“, betonte Werner Wöhr, Vorstand des ABDT und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Technikerverbände, in seinem richtungsweisenden Einführungsvortrag.

Rudolf Seitz, Mitarbeiter in der Arbeitsvorbereitung der Getriebefabrik und Erster Vorsitzender des Technikerverband Rhein-Neckar e.V. machte deutlich: „Wir sind nicht nur ein Anhängsel; unsere Berufsgruppe muss entsprechend gewürdigt werden.“

Eine Ursache für die unterschätzte Stellung der „Staatlich geprüfte Techniker“ scheint u.a. in der mangelnden Forschung zu liegen.
Dr. Roland Tutschner von der Universität Bremen hat als einer der wenigen Sozialwissenschaftler in seiner Technikerstudie versucht, relevante Grundlagen zu erarbeiten. Demnach erfreut sich die Ausbildung zum „Staatlich geprüfte Techniker“ nach wie vor einer großen Beliebtheit in der deutschen Wirtschaft, weil sie sichere Arbeitsplätze, bessere Arbeitsbedingungen, eine höhere Bezahlung und eine interessantere ingenieurmäßige Tätigkeiten verspricht. „Staatlich geprüfte
Techniker“ sind als mittlere fach-und Führungskräfte zwischen der Entwicklung, Konstruktion und der Fertigung geschätzt und genießen relativ große Handlungsspielräume. „Sie wissen, was Facharbeiter können und was Ingenieure machen“, so Professor Tutschner.

In seinem Vortrag brach Jonas Seitz eine Lanze für den „Staatlich geprüfte Techniker““. Der Leiter der Getriebefabrik im Werk Mannheim hat nach dem Abitur den Beruf des Werkzeugmachers erlernt und sich anschließend zum staatlich geprüften Fertigungstechniker weitergebildet. Für ihn ist die Techniker-Ausbildung „ein wichtiger Bestandteil einer leistungsfähigen starken Belegschaft.“ Um beruflich weiterzukommen, sind heute neben der beruflichen Qualifikation noch Flexibilität, Teamfähigkeit, Produkt- und Fremdsprachenkenntnisse gefordert. Hinzu kommen Zielstrebigkeit, ein gesunder Ehrgeiz und Eigenantrieb sowie Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, das eigene Potenzial auszuschöpfen.

Für Prof. Michael Hermann vom Kultusministerium in Baden-Württemberg zählt der „Staatlich geprüfte Techniker“ zu den Hochqualifizierten. Deshalb unterstützt er das Bestreben die Wertigkeit dieses beruflichen Weiterbildungsabschlusses zu fördern, der nach wie vor eine hohe Attraktivität besitzt. Allein in Baden-Württemberg gibt es 25 Fachrichtungen in der Technikerausbildung mit ca. 4000 Absolventen pro Jahr.
Größte Herausforderungen sind der demographische Wandel, gerade hier können die Techniker im ingenieurtechnischen Bereich zur Deckung des Fachkräftemangels einen großen Betrag leisten.

Nach Überzeugung von Wolfgang Hill, dem Sprecher des Bundesarbeitskreises „Fachschulausbildung Technik“, darf an der Qualifikation zum „Staatlich geprüften Techniker“ nicht gerüttelt werden; andernfalls ginge die Wertschätzung dieses Weiterbildungsweges verloren. Immerhin gibt es in Deutschland über eine Million „Staatlich geprüfte Techniker“ an 420 Technikerschulen und Fachakademien mit Technikerausbildung, die jedes Jahr ca. 40.000 Absolventen hervorbringen.

Bei dem hochkarätig besetzten Podium mit Jürgen Patermann (Referent für Fachschulen im KM Baden-Württemberg); Joachim Ruth (DGB-Bezirk Baden-Württemberg); Harald Töltl (Geschäftsführer IHK-Rhein-Neckar); Markus Bürger (StR Ehrhardt-Schott-Schule Schwetzingen); Werner Wöhr (ARGE der Techniker-verbände), betonten alle Beteiligten die Wichtigkeit eines Fachschulausstudiums zum staatlich geprüften Techniker und deren Bedeutung für den Arbeitsmarkt als Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Industrie, Gewerkschaften und Kultusministerium waren sich in der Einschätzung einig, dass die „staatlich geprüften Techniker“, durch Beruf und Weiterbildung hohe fachliche Kompetenzen erwerben, die für die Wirtschaft und die Unternehmen dieses Landes von hoher Bedeutung sind.

Werner Wöhr von der „Arbeitsgemeinschaft der Technikerverbände“ plädiert dafür die Fachschulen moderner und attraktiver für die jungen bildungswilligen Facharbeiter/innen, die sehr viel praktische Erfahrung mitbringen, zu gestalten. Konkret wird künftig eine international griffigere und verständlichere Abschlussbezeichnung z.B. „Bachelor-Professional“ oder „State certified Engineer“ von der Kultusminister-Konferenz für die Absolventen gefordert.

Des Weiteren wird im europäischen Kontext eine Umbenennung der „Fachschulen für Technik“ in Fachakademien als Alleinstellungsmerkmal empfohlen mit klarer Abgrenzung zu den beruflichen Schulen, um im europäischen und internationalen Raum mehr Reputation zu erlangen. Studiengebühren für Fachschulen bzw. Fachakademien sollten sich zukünftig einheitlich nach den Gebühren für Hochschulen und Universitäten richten.


Werner Wöhr 20.11.2012